Interview mit Dr. Moritz Tenorth

Am 24. Juli fand beim Fraunhofer ESK der zweite Vortragsabend des Arbeitskreises Mess- und Automatisierungstechnik des VDI statt. Diesmal ging es um künstliche Intelligenz in der Logistik. Der Referent Dr. Moritz Tenorth von der Magazino GmbH erklärte in seinem Vortrag „Pick-by-Robot – Wie künstliche Intelligenz ein neues Zeitalter in der Kommissioniertechnik einläutet“, wie wahrnehmungsgesteuerte Logistikroboter funktionieren und welche Vorteile sie bringen. Außerdem war er bereit, uns vier Fragen zu beantworten:

Welchen Mehrwert bieten wahrnehmungsgesteuerte Roboter der Logistik?

Dr. Mortiz Tenorth: Erstmals wird es möglich, komplexe manuelle Prozesse innerhalb der Intralogistik flexibel zu automatisieren. Diese Prozesse waren bislang mit zu viel Unsicherheit für Autonome Systeme verbunden, als das sie automatisierbar gewesen wären. Durch den Einsatz dieser neuen Generation von Robotern lassen sich Kosten senken, Personalmangel ausgleichen, Auftragsspitzen abfedern und durch Konsolidierung Lagerflächen einsparen.

Wie stellen Sie sich die Arbeit eines typischen, mittelständischen Logistikunternehmens in 20 Jahren vor?

Dr. Mortiz Tenorth: In 20 Jahren wird eine Vielzahl von Transport- und Kommissioniertätigkeiten von Robotern ausgeführt. Es wird aber aller Voraussicht nach immer Bereiche geben, in denen aufgrund der Komplexität der Einsatz von Robotern unwirtschaftlich bleibt. Ein Großteil der Arbeit wird darin liegen, die Algorithmen in der Steuerungssoftware weiter zu entwickeln.

Worin sehen Sie die größten Schwierigkeiten, eine solche „Infrastruktur“ in der Logistik zu erschaffen?

Dr. Mortiz Tenorth: Es braucht die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und in neue Technologien zu investieren. Viele Mittelständler scheuen sich aber aus Kostengründen, dieses Risiko einzugehen und die Digitalisierung an vorderster Front voran zu treiben.

Schon heute kommissionieren Roboter Kartons, Bücher und Ähnliches. Gibt es auch Gegenstände, die Ihrer Meinung nach auch in Zukunft nicht kommissionierbar sind?

Dr. Mortiz Tenorth: Die Frage wird eher sein, ob es sich wirtschaftlich lohnt, besonders komplexe Gegenstände zu kommissionieren. Bereits heute ließen sich auch sehr komplizierte Objekte von Robotern greifen – der Entwicklungsaufwand würde aber in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen stehen. Heute können Roboter schätzungsweise 20-30 Prozent eines Gemischtwaren-Versandhändlers kommissionieren. Mit der Zeit werden Roboter ihre Fähigkeiten immer weiter ausbauen und 50, 60 oder 80 Prozent erreichen. Die letzten 10 bis 20 Prozent werden aber vermutlich noch lange Zeit manuell kommissioniert werden.

Michael Stiller führt in den Vortragsabend beim Fraunhofer ESK ein.
© Foto Fraunhofer ESK

Michael Stiller führte als Leiter des Arbeitskreises Mess- und Automatisierungstechnik des VDI in den Vortragsabend am Fraunhofer ESK ein.

Dr. Moritz Tenorth von der Magazino GmbH hält seinen Vortrag zu Robotern in der Intralogistik.
© Foto Fraunhofer ESK

Dr. Moritz Tenorth von der Magazino GmbH erklärte in seinem Vortrag am Fraunhofer ESK die Vorteile von wahrnehmungsgesteuerten Logistikrobotern.